Am Sonntag begrüßte der HC Vorpommern-Greifswald die SV Einheit Demmin als Gast in der traditionsreichen Halle 1. Es mag zu vermuten sein, dass viele Spieler dieses Spiel mit dem Gedanken antraten: „Leude, lasst mal schnell fertig werden, ich will das EM-Finale sehen.“
Die Anfangsphase jedoch bewies das Gegenteil. Beide Mannschaften starteten im skandinavischen Tempo-Handball-Stil in die Partie – und so fielen in nicht einmal einer Minute bereits drei Tore.
Der HC entschied sich zu Beginn für einen Off-Meta-Angriff-Abwehr-Wechsel über das ganze Feld zwischen Dao Duc und Schnarr. Das zeigte für knapp fünf Minuten die gewünschte Wirkung, fand dann aber ein jähes Ende, als Dao Duc seiner Bewunderung für Marko Grgić etwas zu stark Ausdruck verlieh und beim Sprint Richtung Auswechselbank vom Torwartpass Richtung Anwurf getroffen wurde. Die daraus resultierende Überzahl nutzte Demmin routiniert, um von 4:3 aus Greifswalder Sicht auf 4:5 zu stellen.
Es entwickelte sich ein klassischer Schlagabtausch. Mal schob sich die Einheit nach vorne, mal der HC – aber niemand konnte sich entscheidend absetzen. Greifswald versuchte sich weiter im Überschlagspiel, doch Schnarr musste häufiger einsehen, dass er eben doch nicht Matthias Gidsel ist, während er sich ein ums andere Mal in der aufmerksamen Demminer Deckung festlief. So ging es schließlich mit einem torreichen 17:17 in die Pause.
Motiviert ging der HC in die zweite Hälfte – vielleicht etwas zu motiviert. Viele technische Fehler führten dazu, dass Demmin mit drei schnellen Treffern startete und Greifswald ganze 3:11 Minuten auf das nächste Tor warten musste. Trainer Kuhn bewies nun jedoch ein gutes Händchen bei den Wechseln. Gleichzeitig blieb der Spaß am Spiel ungebrochen.
Das Umschaltspiel funktionierte nun besser, Ihleburg und Schnarr entdeckten ihre Nebenleute, die mehrere schnelle Mitten erfolgreich verwerteten. Auch die Deckungsarbeit stabilisierte sich, was in einigen Kontertoren mündete. In der 43. Minute kämpfte sich der HC sogar zur 24:23-Führung. Doch Demmin ließ sich nicht beeindrucken und drehte die Partie erneut.
Das Spiel war nun das Gegenteil der sich aktuell im Trockendock befindlichen Fähre Vitte: Es schwappte hin und her.
Erst in der Knusperzeit erarbeitete sich der HC den entscheidenden Vorteil. Gute Deckungsarbeit, schnelles Umschalten und geduldige Positionsangriffe – garniert mit Schnarr’schen Zuckerpässen an den Kreis und nach außen – sicherten den Erfolg. Damit gelang nicht nur ein wichtiger Heimsieg, sondern auch ein gebührender Abschied für Theodor Schnarr, der seine Handball-Karriere künftig in Schweden fortführen wird. Über die Ablösebedingungen haben die Vereine Stillschweigen vereinbart.
Stimmen zum Spiel
Bastian Ihleburg:
„Ich hatte schon geahnt, dass das gut wird. Die Stimmung war schon vor dem Spiel auf Topniveau. Schön, dass wir sie auch auf die Platte bringen konnten.“
Ole Kempa:
„Gutes Spiel, aber für mich hat heute nur gezählt, dass ich nochmal mit Theo spielen konnte. Handballerisch und menschlich das Beste, was mir passieren konnte.“
Manh Dao Duc:
„Marko Grgić ist der Beste!“
Anmerkung des Autors
Ich möchte mich auch an dieser Stelle noch einmal herzlichst bedanken für die fast 15 Jahre, die ich hier in Greifswald Handball spielen durfte. Ich habe Freundschaften geschlossen, gekämpft, gelacht, mich mit rotem Kopf zu sehr aufgeregt – und hatte im HC immer eine feste Konstante. Diese Zeit bleibt fest mit meinen Erinnerungen an die Stadt verwoben. Ich freue mich auf ein Wiedersehen.















